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Moderne Helden - steile Welten
Eine Bestandsaufnahme der Bergsteigerszene

Freiheit, Natur und Abenteuer - das sind gängige Assoziationen, sobald vom Bergsteigen die Rede ist. Und dann stellt man sich gerne wortkarge Einzelgänger samt Stoppelbart und sonnengegerbter Lederhaut vor. Mit eisernem Willen und stählernen Muskeln trotzen sie den Naturgewalten, Todesverachtung lässt sie die gefährlichsten Abenteuer bestehen. Die Welt des bürgerlichen Alltags ist ihnen fremd und verachtenswert.

Die Realität sieht freilich ein wenig anders aus: Die Bergsteigerszene hat sich in zahlreiche Disziplinen ausdifferenziert und "den Bergsteiger" gibt es so nicht mehr. Messbare Höchstleistungen sind überall gefordert, der Spezialist ist gefragt. Der originäre Wille des bergsteigenden Individualisten ist längst nicht mehr alleiniger Motor alpinistischer Dynamik. Sponsoren, Trainer, Förderer und Journalisten spielen mit im Reigen des Leistungsalpinismus.

Das ist keine per se bedauernswerte Entwicklung. Die Bergsteigerei hält einfach Schritt mit der Geschwindigkeit, in der sich der Rest der Gesellschaft eben auch entwickelt. Dennoch ist die Empörung nicht nur in der Szene, sondern vor allem weit in Wandererkreise hinein ziemlich groß: Der Alpinismus ist nämlich eine ideale Projektionsfläche für Sehnsüchte, die aus dem Einerlei des Alltags geboren werden. Wo sonst findet sich der Stoff, aus dem die großen Heldengeschichten gemacht sind? Wo sonst sind derart existentielle Erfahrungen möglich? Auf einen Punkt gebracht: Die Bergsteigerei ist das ganz große Abenteuer-Reservat der heutigen Zeit - und soll es auch bleiben.

Im Spannungsfeld von Anspruch und Realität hat sich die Bergsteigerei in den letzten zwanzig Jahren fortentwickelt, ohne dass eine kritische Bestandaufnahme stattgefunden hätte. Freilich findet sich eine Vielzahl an journalistischen und historischen Beiträgen zu den wichtigen Disziplinen, Personen oder Ereignissen. Eine Sicht auf die Bergsteigerszene in ihrer Gesamtheit gab es allerdings nicht.

Das in Arbeit befindliche Projekt handelt von einer Reise durch den Kern der Bergsteigergemeinde. Es handelt vom Versuch, mit den Augen der Bergsteiger zu sehen und so von innen heraus zu verstehen, was sie machen, warum sie das tun, welche Konsequenzen und welche Bedeutung das hat - für die Bergsteiger selbst und für alle anderen. Wer gewillt ist, an dieser Reise teilzunehmen, wird nachher mit anderen Augen auf die Bergsteigerszene blicken.

Aus dem Inhalt:
Bergsteigen - die erste Jugendszene?
Szenetheorie: Was Szenen sind und warum sie so faszinieren
Die vielen Gesichter des Alpinismus
Die Helden und ihre Mythen
Strukturen im Chaos
Der Alpinismus weist in die Zukunft

 
     
 
Thomas Bucher Journalist Ethnograph Bergsteiger top