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Was ist Ethnographie?

Die Ethnographie ist ein spezieller Ansatz in der Soziologie, der aus der Ethnologie heraus entstanden ist. Die Entwicklung dieser Disziplin lässt sich dabei durchaus als Reaktion auf die zunehmende kulturelle Vielfalt moderner Gesellschaften lesen. Denn während es der Ethnologie noch um fremde Kulturen und ferne Völker geht, entdeckt die Ethnographie diese Fremdheit in den vielen verschiedenen Kulturen der eigenen Gesellschaft - in den Punks, den Sprayern, den Heimwerkern, den Schachspielern, den Waffenbesitzern und vielen mehr.

Ethnographen versuchen, diese Kulturen und Szenen zu erkunden und von ihnen so zu berichten, dass ein zugleich lebendiges und übersichtliches Bild entsteht. Ethnographen bemühen sich um maximale Nähe zum Feld, indem sie für eine gewisse Zeit dort "leben". Ihre Methoden gleichen denen des investigativen Journalismus. Bei ihren Auswertungen geht es allerdings weniger um das Aufdecken von Skandalen, als um die Zeichnung eines detailreichen Panoramabildes.

Wie investigative Journalisten auch sind Ethnographen davon überzeugt, dass das Abenteuer "gleich um die Ecke" beginnt: Nicht nur in fernen Gegenden ist von Spannendem zu berichten, sondern mitten unter uns - zum Beispiel in Schützenvereinen, Jugendszenen oder bei den Bergsteigern.

 
     
 
Thomas Bucher Journalist Ethnograph Bergsteiger top